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Nahrungsmitteltests – eine Goldgrube

Nahrungsmitteltests – eine Goldgrube

Immer wieder betreuen wir Klient*innen, welche bereits solche Tests hinter sich haben oder uns nach deren Sinnhaftigkeit fragen. Die Rede ist von Stuhlanalysen, Stoffwechselanalysen und sonderbaren Bluttests. Vorweg: Teilweise fehlen uns noch wissenschaftliche Methoden und Erkenntnisse, um etwaige Unverträglichkeiten zu detektieren. Aus diesem Grund wollen wir uns einmal genauer anschauen, welche Arten von Tests es überhaupt derzeit am Markt gibt und wie vielversprechend sie sind.

Vorab möchte ich kurz die Unterschiede von einer Allergie zu Unverträglichkeiten/Intoleranzen hervorheben. 

Bei einer Nahrungsmittelallergie ist immer auch das Immunsystem beteiligt, das bedeutet, es entstehen allergische Reaktionen im Körper, wie zum Beispiel Schwellungen, Atemnot oder Ausschläge. In manchen Fällen ist die Reaktion des Körpers auf ein Allergen so überschießend, dass es lebensgefährlich werden kann. 

Einen Sonderfall stellt die Zöliakie dar. Diese zählt nämlich zu den Autoimmunerkrankungen. Durch das Gluten im Getreide wird die Darmschleimhaut angegriffen und die Darmzotten werden zerstört. Die Zöliakie ist eine ernstzunehmende Erkrankung und Gluten muss zu 100 % gemieden werden.

Eine klassische Unverträglichkeit ist in vielen Fällen auf einen Mangel von bestimmten Enzymen oder Transportern im Körper zurückzuführen. Bei der Laktoseintoleranz zum Beispiel ist das Enzym Laktase, welches die Laktose spalten sollte, in zu geringer Konzentration vorhanden. Dadurch gelangt die Laktose in den Dickdarm, wo sie von den Darmbakterien vergoren wird. Hierbei entstehen Gase, welche zu Blähungen, Bauchkrämpfe und Durchfall führen können. So ähnlich verhält es sich mit vielen anderen Lebensmittelinhaltsstoffen. Meist ist es zu Beginn relativ schwierig, die eigentliche Ursache für die Verdauungsbeschwerden herauszufinden, da sehr viele Faktoren, wie zum Beispiel Stress, eine Auswirkung auf die Beschwerden haben. Grundsätzlich sind die Symptome nicht gesundheitsgefährdend, es ist schlicht und einfach sehr unangenehm und bereitet im Alltag Probleme. Das soll den Leidensdruck, den manche Menschen mit Unverträglichkeiten haben, gar nicht schmälern. Es soll zeigen, dass Nahrungsmittelunverträglichkeiten oftmals viel schwieriger zu detektieren sind und dieser Bereich sehr viele Türen für lukrative Geschäftsideen öffnet.

IgG Tests

Immunglobuline sind lebenswichtige Eiweiße im Körper und sind Bestandteile unseres Immunsystems. Teils fungieren sie als Gedächtnis und merken sich Stoffe, mit denen sie bereits in Berührung gekommen sind, teils sind sie an der direkten Immunabwehr beteiligt. Mit den IgG-Tests erhofft man sich nun, Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu detektieren, Fachgesellschaften warnen jedoch vor solchen Tests. Diese geben nämlich nur an, ob ein Lebensmittel häufig verzehrt wird oder nicht, sie geben aber keine Auskunft darüber, ob es tatsächlich vertragen wird. Aussagekräftig ist demnach nur IgE, welches auf Allergien hinweist. Dennoch werden IgG-Tests nach wie vor angeboten und als Nahrungsmitteltests verkauft. Die Folge ist jedoch dramatisch, denn alle Lebensmittel, die man bisher oft gegessen hat, sollen den Ergebnissen zufolge gemieden werden. Die Auswahl an Lebensmitteln wird damit sehr eingeschränkt und die Betroffenen tun sich schwer, sich überhaupt noch abwechslungsreich zu ernähren.

Stuhlanalysen

In einer Stuhlprobe können Entzündungen, schädliche Keime oder Blutbestandteile nachgewiesen werden. Immer wieder werden aber auch Stuhltests angeboten, die zeigen sollen, dass das Darmmikrobiom im Ungleichgewicht ist. Grundsätzlich eine einleuchtende Idee, da viele Störungen und Erkrankungen mit einem Ungleichgewicht der Darmbakterien-Zusammensetzung assoziiert werden. Ehrlicherweise sind diese Tests bislang noch nicht standardisiert genug und auch die Referenzbereiche von Labor zu Labor unterschiedlich. Dazu kommt, dass das Darmmikrobiom täglichen Schwankungen unterliegt und von schlechtem Schlaf, Alkohol, Stress oder größeren Mengen an stark verarbeiteten Lebensmitteln beeinflusst wird. Die Probe an dem jeweiligen Tag stellt also nur eine Momentaufnahme dar. Ebenso wird man bei der Befundbesprechung häufig mit Nahrungsergänzungsmitteln überschüttet und alle möglichen Arten von Probiotika sollen eingenommen werden… ohne, dass man überhaupt den aktuellen Lebensstil oder die Ernährungsweise hinterfragt und einmal bei der alltäglichen Ernährung ansetzt (aber das bringt halt kein Geld ge). Nur von ein paar Pillen schlucken kann man eine einseitige Ernährung leider nicht wieder gut machen und deshalb sehen wir die praktische Durchführung von diesen Stuhltests derzeit noch etwas kritisch. Dies kann sich jedoch in den nächsten Jahren verändern und wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann eine wissenschaftlich fundierte Methode, ein Ungleichgewicht im Darm Mikrobiom festzustellen und auch entsprechend behandeln zu können.

Bioresonanz

Dieses Verfahren wird ebenfalls zur Abklärung einer Lebensmittelunverträglichkeit genutzt. Es handelt sich dabei um eine alternativmedizinische Methode. Dabei sollen ungünstige Schwingungen im Körper auf belastende Lebensmittelgruppen hinweisen. Gleichzeitig sollen durch dieses Verfahren Beschwerden aber auch ausgependelt werden. Die Bioresonanz ist leider nicht wissenschaftlich fundiert. Die Ergebnisse sind teilweise total zusammenhangslos und nicht reproduzierbar, d.h. es kommt an unterschiedlichen Messzeitpunkten oder je nach Therapeut*in ein anderes Ergebnis heraus. Nicht zu vergessen ist jedoch auch, dass bei Verdauungsbeschwerden der Placebo- bzw. Nocebo-Effekt eine gute Wirkung zeigen kann. Das bedeutet, dass allein durch das Weglassen einer Lebensmittelgruppe sich Besserungen zeigen können, auch wenn man das jeweilige Produkt objektiv betrachtet vertragen würde. Dazu kommt, dass man durch die regelmäßigen Termine, selbst das Gefühl hat, sich etwas Gutes zu tun. Aus diesem Grund kann es durchaus sein, dass Betroffene durch die Bioresonanz eine Besserung der Symptome verspüren, auch wenn dies wissenschaftlich gesehen keinen Sinn ergibt. Vielleicht zeigt uns aber gerade diese Erkenntnis, dass Verdauungsbeschwerden in manchen Fällen ein Symptom von einem zu stressigen Alltag und zu wenig Zeit für sich selbst sind. Das Geld, welches man für die Bioresonanz ausgibt, könnte man also genauso gut in ein neues Hobby oder eine Psychotherapie investieren.

Hier eine kurze Übersicht, welche Tests zur Diagnosestellung von Intoleranzen, Unverträglichkeiten, Allergien und Co. herangezogen werden können (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

  • H2-Atemtest: Fructosemalabsorption, Laktoseintoleranz, SIBO (Small Intestine Bacterial Overgrowth)
  • Blutuntersuchung: Zöliakie (Gewebstransglutaminase, Gliadin-Autoantikörper)
  • Ernährungs- und Symptomtagebuch: Glutensensitivität, Reizdarmsyndrom, Histaminintoleranz
  • Gastroskopie (= Magenspiegelung): Zöliakie, Morbus Crohn
  • Coloskopie (= Darmspiegelung): Colitis Ulcerosa, Morbus Crohn
  • Pricktest: Nahrungsmittelallergien (Getreide, Ananas, Erdbeere, Apfel, Banane, Karotte, Haselnuss, …)
  • Stuhltest: pathogene Keime, Entzündungen (Calprotectin)

Die Tests alleine bringen jedoch nichts ohne individuelle Aufklärung. Bei einer Ernährungstherapie wird ganz genau besprochen, wie die Umsetzung im Alltag aussieht und geeignete Alternativen aufgezeigt. So eine „Diagnose“ kann zu Beginn sehr überfordernd sein und man hat das Gefühl, sich stark einschränken zu müssen. In manchen Fällen ist es aber sogar so, dass man die jeweilige Lebensmittelgruppe gar nicht zu 100 % meiden muss, sondern man für sich selbst die individuelle Verträglichkeit herausfinden kann. Dies funktioniert am besten mit der Unterstützung einer Diätologin/eines Diätologen. 

Quellen / Literaturhinweise:

https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/stoffwechsel/nahrungsmittelunvertraeglichkeit/info.html#wie-wird-diagnose-gestellt, abgerufen am 30.05.2023

https://www.derstandard.at/story/1363709129052/bioresonanz-bei-lebensmittelunvertraeglichkeit-unzuverlaessig-und-teuer, abgerufen am 30.05.2023

Felber, J., Bläker, H., Fischbach, W., Koletzko, S., Laaß, M., Lachmann, N., Lorenz, P., Lynen, P., Reese, I., Scherf, K., Schuppan, D., Schumann, M., Aust, D., Baas, S., Beisel, S., de Laffolie, J., Duba, E., Holtmeier, W., Lange, L., … Zopf, Y. (2022). Aktualisierte S2k-Leitlinie Zöliakie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): Dezember 2021 – AWMF-Registernummer: 021-021. Zeitschrift für Gastroenterologie, 60(05), 790–856. https://doi.org/10.1055/a-1741-5946

Kasper. (2021). Ernährungsmedizin und Diätetik (13. Aufl.). Elsevier. https://shop.elsevier.de/ernaehrungsmedizin-und-diaetetik-9783437230066.html


Dieser Beitrag wurde gemeinsam mit Diätologin Leonie Meil erstellt. Vielen Dank für deine Unterstützung, Leonie! Ernährungstherapeutische Hilfe bekommst du bei ihr – hier geht es zu ihrem Kalender, um ein kostenfreies Erstgespräch zu buchen: https://calendly.com/leoniemeil/30min

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